Situation und Umfeld

Generationen im SteinbruchIndien wird von der Mehrheit der Fachleute als zukünftige Weltwirtschaftsmacht angesehen. Ein seit Jahren mit sieben oder mehr Prozent wachsendes Bruttonationaleinkommen (BNE) unterstreicht diese Erwartung. Häufig wird jedoch ausgeklammert, dass Indien immer noch ein sehr niedriges BNE pro Kopf aufweist. Immer noch leben im bevölkerungsreichsten Land der Erde über 300 Millionen Menschen in ärmsten Verhältnissen. Sie leben überwiegend in Slums oder ähnlichen Behausungen und haben keine Schule besucht. Die tägliche Aufgabe besteht darin, auf irgendeine Weise – durch einfachste Arbeiten oder auch durch Betteln - den Hunger zu stillen. In Onthimalai geschieht dies im Wesentlichen dadurch, dass ganze Familien im Steinbruch arbeiten.

Konferenzraum in PILLARDieses Umfeld fand Pallotiner Pater Dr. Emmanuel Savariaradimai, selbst aus dem Süden Indiens stammend, vor, als er 2001 am Rand von Madurai ein katholisches Zentrum für Laien – genannt PILLAR (Pallotti Institute of Lay Leadership Animation and Research) – errichtete und dort mit der Bildungsarbeit begann.

In unmittelbarer Nachbarschaft von PILLAR leben die Dorfbewohner - alle Analphabete - in einfachsten Hütten. Freilaufende Hühner und dürre Ziegen prägen das Bild. Sie sind ausnahmslos Angehörige der untersten Kaste und arbeiten seit Generationen im nahegelegenen Steinbruch: Von morgens früh bis abends spät schuften sowohl Männer als auch Frauen und bis vor kurzem auch Kinder in der sengenden Hitze. Dies ist die einzige Chance für sie, Geld zu verdienen – und ist dies auch noch so wenig. Für diese Arbeit bekommen sie umgerechnet zwei Euro am Tag.

Hütten in Onthimalai

Es gibt nur eine Möglichkeit, dem Tagelöhnerdasein im Steinbruch zu entkommen: Schulbildung. Schulbildung als staatliches Angebot steht oft nur auf dem Papier. Gute Schulen sind unerschwinglich. Daher haben die Kinder der Steinbrucharbeiter keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und sich besserer Lebensperspektiven als ihre Eltern zu verschaffen.

Pater Emmanuel wurde sehr schnell klar, dass er seine Arbeit nicht nur auf die Fortbildung katholischer Laien beschränken konnte. So machte er es sich zur Aufgabe, gemeinsam mit seinen Mitbrüdern für die Kinder der Steinbrucharbeiter – diese sind allesamt Hindus – einen Kindergarten und eine Schule zu errichten.